
Die regionale Lebenserwartung 2025 zeigt mehr als eine gute bundesweite Nachricht: Deutschland gewinnt im Durchschnitt Lebenszeit, doch der Fortschritt ist zwischen Bundesländern und Geschlechtern ungleich verteilt. Gerade deshalb wäre es zu bequem, die neuen Zahlen nur als Beleg für eine allgemeine Verbesserung zu lesen.
Nach Angaben des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB), über die die Tagesschau berichtet, stieg die Lebenserwartung 2025 bundesweit weiter. Baden-Württemberg liegt vorn: Frauen erreichen dort statistisch 84,6 Jahre, Männer 80,6 Jahre. Bayerische Männer erreichten erstmals die Marke von 80 Jahren und liegen damit gleichauf mit Baden-Württemberg an der Spitze.
Die Gegenbewegung ist ebenso wichtig. Im Osten ist der Abstand zwischen Frauen und Männern laut Bericht fast überall größer als fünf Jahre; in Mecklenburg-Vorpommern beträgt er 6,4 Jahre. Beim kleinsten Abstand, im Saarland, sind es 3,7 Jahre. Zudem stieg die Lebenserwartung der Männer gegenüber 2024 in allen Ländern, während sie bei Frauen in mehreren Ländern sank. Für Thüringen wird ein Rückgang um ein halbes Jahr genannt; auch Schleswig-Holstein, Bremen und Brandenburg verzeichneten leichte Rückgänge.
Das widerlegt den bundesweiten Anstieg nicht. Es zeigt aber, dass ein Durchschnitt keine gleich verteilte Verbesserung garantiert. Die Tagesschau nennt Einkommen, Bildung, Arbeitslosigkeit sowie die Erreichbarkeit medizinischer Versorgung als relevante Bedingungen. Der Bericht verweist außerdem auf unterschiedliche Rauchbiografien von Frauen und Männern. Das sind plausible Erklärungsansätze, keine mit den vorliegenden Daten bewiesene Ursache für jeden regionalen Abstand.
Der stärkste Einwand lautet, die positive Gesamttendenz solle nicht durch Unterschiede kleingeredet werden. Richtig ist: Mehr Lebensjahre im Durchschnitt sind ein Fortschritt. Politisch aussagekräftig wird diese Entwicklung aber erst, wenn Länder mit Rückgängen und besonders großen Geschlechterlücken nicht im Mittelwert verschwinden. Offen bleibt, welche Faktoren die einzelnen regionalen Veränderungen tragen und ob sich die Rückgänge bei Frauen in den nächsten Daten fortsetzen.
Sources
- Tagesschau · Source date: 2026-11-04
- Der Spiegel · Source date: 2026-11-04
Independent editorial content. WUA is not affiliated with any political party. 2026-11-04